Die Arbeit der Außenstelle Groß-Gerau des WEISSEN RINGS stand, wie alles andere auch, in 2020 unter dem Einfluss der Corona-Pandemie.
Persönliche Gespräche mit den Opfern von Straftaten konnten nicht, wie in den vergangenen Jahren meist üblich, im privaten Umfeld der Betroffenen stattfinden. Es mussten Ausweichmöglichkeiten im Freien oder, solange dies möglich war, in Cafés oder Gaststätten gefunden werden, ohne die Privatsphäre, die für derlei persönliche Gespräche unbedingt erforderlich ist, zu verletzen.
Trotz der widrigen Umstände war es möglich, in 83 Opferfällen aktiv Hilfe zu leisten, Unterstützung anzubieten und Lösungswege zu erarbeiten. Kontakte zu Rechtsanwälten, psychologischer Betreuung, z.B. in den Trauma-Opferzentren, und anderen Hilfsorganisationen wie Wildwasser, Frauenberatung etc. herzustellen, gehörte neben der persönlichen Zuwendung zu den wesentlichen Aspekten der Opferarbeit.
Die Delikte im Bereich häusliche Gewalt, sexuelle Belästigung bzw. sexualisierte Gewalt und Körperverletzung stellten auch 2020 den größten Teil der Anfragen an den WEISSEN RING Groß-Gerau dar. In Zeiten des Lockdowns war und ist es für Opfer von Straftaten im häuslichen Umfeld besonders schwer, sich bei Hilfsorganisationen zu melden und aus dem gefährlichen Umfeld auszubrechen. Es ist daher zu befürchten, dass in diesem Problembereich die Dunkelziffer noch höher ist als in Vor-Corona-Zeiten.
Möglicherweise ist die vergleichsweise geringere Zahl von Eigentumsdelikten wie Einbruch, Diebstahl und Raub auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass sich viele Menschen häufiger zu Hause, z.B. im Home Office, aufgehalten haben. Auch Opfer von Bedrohung, Stalking und Trickbetrug wendeten sich im vergangenen Jahr seltener an die AS Groß-Gerau.
Die sieben ehrenamtlichen Mitarbeiter sind weiterhin motiviert im Einsatz, selbstverständlich unter Berücksichtigung der erforderlichen Schutzmaßnahmen. Der Kontakt zum WEISSEN RING, der häufig über die Polizeidienststellen des Kreises initiiert wird, ist selbstverständlich auch direkt über das Opfertelefon (116 006) oder die Leitung der Außenstelle (Barbara Bierach, Tel. 01520 7534 655) möglich.